Der 48jährige Kurt Jahr vom KSK Furtwangen beendete Laufbahn - Im Abschiedskampf kein Gegner
Obwohl sich in der heutigen Zeit des Spitzensports die meisten Aktiven schon mit 30 Jahren aus der nationalen und internationalen Szene zurückziehen und sich aufs „Altenteil" begeben, finden sich immer wieder schillernde Persönlichkeiten, die trotz oder gerade wegen ihres fortgeschrittenen Alters zu einer lebenden Legende und einem Vorbild für viele junge Sportler geworden sind. Der Furt-wanger Ringer Kurt Jahr ist einer von ihnen: Er stand nahezu drei Jahrzehnte auf der Matte, bevor er am vergangenen Wochenende seinen letzten Kampf bestreiten wollte
„Irgendwann einmal muß Schluß sein", begründete der fast 48jährige Athlet des KSK Furtwangen seinen Rücktritt, obwohl er sich nie eine ernsthafte Verletzung zugezogen hatte. Doch hatte sich Jahr seinen Abschied etwas anders vorgestellt: Ein großes Ringerfest sollte es gegen Sulgen werden. Viele Zuschauer waren gekommen, um ihren Kurt Jahr noch einmal auf der Matte zu sehen, um noch einmal seinen Spezialgriff bewundern zu können. Doch: Stell dir vor, du bestreitest deinen letzten Kampf und kein Gegner kommt. Sulgen konnte ausgerechnet in der Gewichtsklasse von Jahr keinen Ringer stellen, so daß dieser seine Abschiedsvorstellung kampflos gewann.
Es wurde langsam Zeit, daß ich meinen Platz einem Jüngeren überlasse", betonte Jahr, der selber erst als ehemals 18jähriger mit dem Ringen begonnen hatte. „Gleich in der ersten Woche, als ich mit dem Training anfing, mußte ich auch meinen ersten Kampf bestreiten", erinnerte sich Jahr an die Probleme des KSK Furtwangen, die Fliegengewichtsklasse zu besetzen. Doch war dieser Sprung ins kalte Wasser gar nicht schlecht für die Karriere des Kurt Jahr: „Aus den ersten Niederlagen die ich einstecken mußte, habe ich viel gelernt", so Jahr, der danach viel trainierte und sich einiges bei anderen Ringern abschaute.
Und gerade sein Tainingsfleiß war es, der ihm den sportlichen Erfolg einbrachte: Jahr arbeitete ständig an sich, machte Waldläufe und rannte im Winter mit den Langlaufski durch die Loipen. „Es war oft eine Quälerei, doch ich habe sie freiwillig auf mich genommen", so der Furtwangener, der jedes Jahr mit viel Ehrgeiz am Schwarzwälder Skimarathon teilnimmt („Ich mache etwas entweder richtig oder gar nicht"), um seine Kondition zu verbessern. Doch der Erfolg entschädigte ihn für all die Strapazen: Er holte in seiner Laufbahn insgasamt 30 Bezirksmeistertitel im Ringen, mußte sich über die südbadischen Meisterschaften und unzählige Lehrgänge für die Deutschen qualifizieren und belegte dort immerhin einmal einen vierten Platz.
Wer soviel Erfolg hat, auf den werden natürlich auch andere Vereine aufmerksam: „Der SV Triberg fragte mich jedes Jahr, ob ich nicht bei ihnen ringen wolle", freut sich Jahr heute noch über die Anerkennung, die ihm auch von anderen Vereinen entgegengebracht wurde. „Aber ich war nicht der Typ, der laufend wechselt", betonte Jahr, der dann allerdings doch als 35jähriger dem Drängen der Kurstädter nachgab und nach Triberg ging. „Mit Furtwangen hätte ich nie die Chance gehabt, so weit oben zu ringen", begründete Jahr diesen Schritt.
Und der Furtwanger bereute den Wechsel nicht: Er stieg mit dem SV Triberg in die erste Bundesliga auf und, was für ihn noch wichtiger war, er hatte dort die optimalen Trainingspartner. Der heutige erste Vorsitzende des SV Triberg, Werner Dold, erinnert sich noch gerne an den ehemaligen Leistungsträger: „Der Kurt ist ein Sportler, wie er sein sollte. Er betreibt seinen Sport um des Sports und nicht um des Geldes willen", ist Dold voll des Lobes für Jähr.
Doch nach sieben Jahren in Triberg kam der verlorene Sohn wieder in seine Heimatstadt Furtwangen zurück, wo er seine Karriere beenden wollte. Er arbeite nun noch mehr als zuvor als Trainer, vor allem im Jugendbereich. Denn die Zukunft gehört auch beim Ringen dem Nachwuchs: „Ich hoffe den Jugendlichen einiges von dem vermitteln zu können, was ich in meiner langen Laufbahn gelernt habe", betonte Jahr, der nebenbei auch noch in der AH-Mannschaft des FC Schönwald Fußball spielt.Nun soll es gegen Sulgen also der letzte Kampf des Kurt Jahr gewesen sein. Doch kann sich der eingefleischte Ringer nicht von einem Tag auf den anderen von seinem so geliebten, an manchen Tagen aber auch gehaßten (Jahr: „Manchmal hatte ich das ewige Gewichtabkochen satt") Sport zurückziehen: „Ich trainiere weiter, und wenn beim KSK Furtwangen einmal Not am Mann herrschen sollte, springe ich ein", ließ sich Jahr eine kleine Hintertüre offen.
MIT SEINEM GEFÜRCHTETEN SPEZIALGRIFF legte Kurt Jahr (unten) vom KSK Furtwangen in seiner ringer Karriere so manchen Gegner auf die Matte. Doch in seinem letzten Kampf konnte der ehemalige Bundesliga-Ringer diesen nicht mehr vorführen: Sein Gegner trat nicht an.
